Im Gespräch mit Astrid Schulte über die Kraft von Familienunternehmen.
Es gibt Gespräche, bei denen man schon nach wenigen Minuten spürt: Hier sitzt jemand nicht nur im Wandel – sondern für den Wandel. Die Podcast-Folge 130 mit Astrid Schulte, Vorstandsvorsitzende und Gesellschafterin des Familienunternehmens Berendsohn AG, ist genau so ein Gespräch.
Astrid führt ein traditionsreiches Unternehmen durch eine umfassende, mehrdimensionale Transformation. Dabei zeigt sie eindrucksvoll, was heute über Erfolg oder Scheitern entscheidet: nicht Strategiepapiere, nicht Tools, sondern gelebte Werte, innere Klarheit und Haltung in Führung.
Als Astrid und ihre Mitgesellschafter Berendsohn übernahmen, stand das Unternehmen unter Druck. Einst Marktführer, war es in einer Welt vor dem Internet groß geworden und später davon überholt worden. Statt „mehr vom Selben“ entschied sich Astrid für einen mutigen Schritt: einen doppelten Transformationspfad.
Diese Transformation wurde kein Sprint, sondern, wie Wolf Lotter es nennt, ein Ausdauersport. Und genau dafür braucht es Führungskräfte, die auf mehreren Ebenen wirken.
Astrid beschreibt einen Satz, den sie früh in ihrer Karriere von einem ihrer Chefs hörte:
„Ich vertraue dir. Du musst mir gar nichts beweisen.“
Dieser Satz wurde später zu einem inneren Kompass. Denn Transformation gelingt nur, wenn Führungskräfte innerlich geradestehen. In ihren Worten:
Transformation ist kein Prozess von außen, sie entsteht innen. Bei den Führungskräften und in den Teams.
Es ist einer der größten Unterschiede zwischen Veränderung „by the book“ und echter Transformation: Man kann sie nicht beschließen. Man muss sie erarbeiten – im besten Sinne des Wortes.
Astrid beschreibt drei Erfolgsfaktoren:
Fehler dürfen passieren. Nicht, weil es angenehm ist, sondern weil sie unvermeidbar sind.
„Gute Führung schafft Räume, in denen Menschen sich trauen, mutig zu sein.“
Weder Beschönigung noch übertriebene Dramatik. Sondern Transparenz über Ziele, Sorgen, Risiken und Beiträge.
Vision, Mission, Strategie: nicht für die Menschen, sondern mit ihnen.
Wirklich bemerkenswert: Berendsohn hat akzeptiert, dass nicht jeder alles mitgehen muss. Ein Drittel der Vertriebsmannschaft verkauft heute erfolgreich Digitalprodukte. Ein Drittel mischt analog und digital. Ein Drittel bleibt analog, arbeitet aber mit digitalen Spezialisten zusammen.
Astrid formuliert es klar: Transformation endet nicht. Nicht nach zwei Jahren, nicht nach fünf. Die Organisation lernt ständig und Führungskräfte auch.
Was sie Unternehmerinnen und Unternehmern rät?
Was Astrid Schulte auszeichnet und was diese Podcast-Folge so besonders macht ist die Verbindung aus persönlicher Offenheit, unternehmerischer Klarheit, mutiger Konsequenz und echter Menschlichkeit.
Transformation in Familienunternehmen ist komplex. Aber sie ist möglich. Manchmal sogar in einem Ausmaß, das vorher kaum vorstellbar erscheint. Wenn Werte gelebt werden. Wenn Führung Verantwortung übernimmt. Und wenn Menschen spüren, dass sie gesehen werden.
Das ganze Gespräch gibt es auch zum Hören: