Auswirkungen von Jobunsicherheit auf Leistung, Arbeitszufriedenheit und Karriere

Was die Forschung sagt und wie Unternehmen intervenieren können

 

In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und der Dynamisierung der Arbeitswelt aufgrund des technologischen Fortschritts ist Arbeitsplatzsicherheit für viele Beschäftigte keine Selbstverständlichkeit mehr. Befristete Verträge, stagnierende Stellenangebote und die Sorge vor Kündigungen prägen den Alltag zahlreicher Arbeitnehmenden.

Doch was bedeutet diese Unsicherheit für die Leistung, Arbeitszufriedenheit und die individuelle Karriereentwicklung? Und welche Rolle spielen Führungskräfte dabei?

Eine aktuelle Meta-Analyse von Låstad et al. (2025), die auf 237 Primärstudien basiert, liefert Antworten. Sie zeigt, dass wahrgenommene Arbeitsplatzunsicherheit nicht nur das Wohlbefinden beeinträchtigt, sondern auch zentrale karrierebezogene Variablen negativ beeinflusst – darunter Karrierezufriedenheit, Weiterbildungsbereitschaft und die subjektive Einschätzung der eigenen Beschäftigungsfähigkeit.

Psychologische Mechanismen: Die Theorie der Ressourcenerhaltung

Zur Erklärung dieser Effekte greifen die Autor*innen auf die Conservation of Resources Theory (COR) von Hobfoll et al. (1989, 2018) zurück. Diese besagt, dass Menschen bestrebt sind, Ressourcen zu erwerben, zu erhalten und zu vermehren. Werden diese Bestrebungen bedroht, entsteht Stress und die Reaktion darauf ist oft defensiv: Statt in Weiterbildung zu investieren, wird Expertise zurückgehalten, um unersetzbar zu erscheinen. Langfristige Karriereziele treten in den Hintergrund, kurzfristige Selbstsicherung dominiert.

Signifikante Korrelationen der Meta-Analyse

Diese Dynamiken können eine Abwärtsspirale in Gang setzen, in der Unsicherheit zu Rückzug führt und dieser wiederum die Karrierechancen und den Unternehmenserfolg weiter schmälert.

Was Unternehmen tun können

Die Meta-Analyse liefert begründete Schlussfolgerungen für die betriebliche Praxis:

1. Führungskräfte befähigen

Der Umgang mit Unsicherheit erfordert emotionale Intelligenz und Kompetenzen in Gesprächsführung und Change-Management. Führungskräfte sind Schlüsselfiguren: ihr Umgang mit Unsicherheit wirkt sich unmittelbar auf die Belegschaft aus.

2. Karriereförderung aktiv gestalten

Individuelle Entwicklungsgespräche, transparente Perspektiven und gezielte Weiterbildungsangebote helfen, Unsicherheit zu reduzieren und Zukunftsorientierung zu stärken. 

3. Psychologische Sicherheit fördern

Eine offene Fehlerkultur und gemeinsame Teamziele können verhindern, dass Wissen zurückgehalten wird und Zusammenarbeit leidet.

4. Frühwarnsysteme etablieren

Regelmäßige Check-ins ermöglichen es, Kündigungsabsichten frühzeitig zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Unsicherheit lässt sich nicht immer verhindern, aber sie lässt sich managen.

Jobunsicherheit ist ein ernstzunehmender Faktor, der nicht nur individuelle Karrieren, sondern auch die Leistungsfähigkeit von Organisationen gefährdet. Unternehmen, die dieses Thema proaktiv managen, können nicht nur Fluktuation vermeiden, sondern auch Motivation und Wissen im Unternehmen halten.