Humor am Arbeitsplatz

Studie zeigt, wie zentral er für die Kommunikation ist

Humor gehört zu den Dingen, die im Arbeitsalltag so selbstverständlich erscheinen, dass wir kaum darüber sprechen. Und doch prägt er konsequent unsere Kommunikation. Eine aktuelle Literaturanalyse von Stephen Taylor, Jane Simpson und Claire Hardy zeigt, wie Humor in der täglichen Mitarbeiterkommunikation wirkt und welche Chancen und Risiken er birgt.

Was ist Humor?

Eine einheitliche Definition von Humor gibt es nicht. Neben klassischen Theorien helfen insbesondere neuere Modelle, Humor als soziales und kognitives Phänomen zu verstehen: Er lebt vom Erwartungsbruch, dient der Spannungslösung und ist stark abhängig von der sozialen Akzeptanz und Verständlichkeit.

Hilfreich ist immer noch die Einteilung von Martin (1996) in vier verschiedene Stile:

  1. Affiliativ: Humor, der andere einbezieht, verbindet und eine positive, leichte Atmosphäre schafft.
  2. Selbstförderlich: Humorvolle Haltung, die hilft, Herausforderungen gelassener und optimistischer zu betrachten.
  3. Aggressiv: Humor, der durch Spott, Herabsetzung oder grenzüberschreitende Bemerkungen auf Kosten anderer geht.
  4. Selbstabwertend: Humor, bei dem man sich selbst kleinmacht oder herabsetzt, um zu gefallen oder Spannungen abzubauen.

Vier Nutzungsmuster: Wie Humor im Arbeitsalltag wirkt

Das Ergebnis des systematischen Reviews von 23 qualitativen Studien sind vier konkrete Arbeitskontexte, in denen Humor eine zentrale Rolle spielt:

1. Die ersten Begegnungen

Von der Personalauswahl bis zum Onboarding: Humor nimmt bereits bei der Auswahl und Einführung neuer Mitarbeitenden eine Schlüsselrolle ein. Beim Eintritt in eine neue Organisation lernen Mitarbeitende nicht nur Prozesse und Abläufe, sondern auch den Sound des Unternehmens kennen. Taylor et al. beschreiben dieses Stadium als „Initiation into organizational humor“. Neue Kolleg*innen beobachten genau, was als komisch gilt und was nicht. Humor wird damit zu einer Art Lerntool und dient der kulturellen Orientierung.

2. Zugehörigkeit und Abgrenzung

Humor formt Gruppen. Die Studie spricht von „joining a tribe“: dem Beitritt zu einer sozialen Einheit, die sich über einen gemeinsamen Humor definiert. Humor wird so zum verbindenden Element, aber auch zur Grenze zwischen In-Group und Out-Group. Für Führung und Zusammenarbeit bedeutet das: Wer Anschluss ermöglichen möchte, sollte Räume und Anlässe schaffen, in denen spontaner, authentischer Humor entstehen darf. Gleichzeitig sollte man sich auch dem Humor einer neuen Gruppe anpassen.

3. Einfluss nehmen

Humor kann auch steuern, rahmen und dominieren. Dieses Muster fassen die Autor*innen unter „exerting influence – humor as power“. In Teams kann es beispielsweise hilfreich sein, Kritik humorvoll zu äußern oder Humor als Mittel, um Hierarchien spielerisch sichtbar zu machen.

4. Ventil bei Stress

Humor ist ein guter Mechanismus für Stressregulation. Die Studie bezeichnet dieses Muster als „using the safety valve“: ein Ventil, das Spannung abbaut, Beziehungen entspannt und Komplexität reduziert. Gerade in Phasen hoher Belastung (Change, Wachstum, neue Teams) oder in emotional fordernden Berufen kann humorvolle Kommunikation Stabilität bieten.

Risiken: Wo Humor kippt

Chancen: Wofür Humor im Job gut sein kann

Grundsätzlich: Die positiven Effekte zeigen sich vor allem bei wertschätzenden (affiliativ, selbstförderlich) Humorformen – nicht bei aggressiven oder selbstabwertenden Varianten.

Tipps für die Praxis

  1. Etablieren Sie eine respektvolle und humorfreundliche Kommunikationskultur, die Teamatmosphäre, Vertrauen und Zusammenarbeit gezielt stärkt.
  2. Gestalten Sie klare und wertschätzende Leitlinien für humorvolle Sprache, die Orientierung geben und dazu beitragen, dass sich alle Mitarbeitenden zugehörig fühlen.
  3. Setzen Sie Humor bewusst als Ressource in Veränderungsprozessen ein, um Leichtigkeit zu schaffen, Verbindung zu fördern und positive Energie in den Übergängen zu ermöglichen.
  4. Integrieren Sie Humor in Kommunikations‑ und Führungstrainings, damit Teams lernen, Humor wirkungsvoll, achtsam und situationsangemessen einzusetzen.
  5. Schaffen Sie in intensiven Arbeitsphasen Räume für informellen Austausch, in denen Humor als Ventil wirken und kurzfristig Entlastung sowie gemeinsamen Zusammenhalt fördern kann.

Fazit

Was Menschen im Arbeitsalltag wirklich miteinander verbindet, passiert selten in Meetings oder Prozessen. Es passiert zwischen den Zeilen: im Lachen, im Augenzwinkern, in der Fähigkeit, gemeinsam Leichtigkeit zu erzeugen. Besonders dann, wenn es schwer wird. Gleichzeitig ist Humor ambivalent: er kann verbinden oder trennen, stärken oder verletzen. Er wirkt damit tief in die Alltagskommunikation von Teams hinein und beeinflusst Integration, Zusammenarbeit, Wohlbefinden und sogar Leistung.

Weitere Informationen zum Thema

Wer sich vertiefend mit der Frage beschäftigen möchte, wie Humor in anspruchsvollen Situationen nicht nur verbindet, sondern auch Entwicklung ermöglicht, findet spannende Impulse in Podcastfolge 28 von Jörg Rosenberger mit Dr. Noni Höfner. Noni Höfner gilt als prägende Vertreterin des Provokativen Ansatzes, der auf der „Provokativen Therapie“ von Frank Farrelly basiert. Im Gespräch geht es darum, was den provokativen Stil ausmacht, warum er gerade in Führung und Zusammenarbeit neue Perspektiven eröffnen kann und wie selbst ernste Anliegen in Coaching‑ und Entwicklungssituationen humorvoll bearbeitet werden können, ohne Leichtigkeit und Respekt zu verlieren.

Wer Humor als entwicklungsorientiertes Werkzeug verstehen möchte, findet in dieser Folge zahlreiche Anknüpfungspunkte.

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