Studie zeigt, wie zentral er für die Kommunikation ist
Humor gehört zu den Dingen, die im Arbeitsalltag so selbstverständlich erscheinen, dass wir kaum darüber sprechen. Und doch prägt er konsequent unsere Kommunikation. Eine aktuelle Literaturanalyse von Stephen Taylor, Jane Simpson und Claire Hardy zeigt, wie Humor in der täglichen Mitarbeiterkommunikation wirkt und welche Chancen und Risiken er birgt.
Eine einheitliche Definition von Humor gibt es nicht. Neben klassischen Theorien helfen insbesondere neuere Modelle, Humor als soziales und kognitives Phänomen zu verstehen: Er lebt vom Erwartungsbruch, dient der Spannungslösung und ist stark abhängig von der sozialen Akzeptanz und Verständlichkeit.
Hilfreich ist immer noch die Einteilung von Martin (1996) in vier verschiedene Stile:
Das Ergebnis des systematischen Reviews von 23 qualitativen Studien sind vier konkrete Arbeitskontexte, in denen Humor eine zentrale Rolle spielt:
Von der Personalauswahl bis zum Onboarding: Humor nimmt bereits bei der Auswahl und Einführung neuer Mitarbeitenden eine Schlüsselrolle ein. Beim Eintritt in eine neue Organisation lernen Mitarbeitende nicht nur Prozesse und Abläufe, sondern auch den Sound des Unternehmens kennen. Taylor et al. beschreiben dieses Stadium als „Initiation into organizational humor“. Neue Kolleg*innen beobachten genau, was als komisch gilt und was nicht. Humor wird damit zu einer Art Lerntool und dient der kulturellen Orientierung.
Humor formt Gruppen. Die Studie spricht von „joining a tribe“: dem Beitritt zu einer sozialen Einheit, die sich über einen gemeinsamen Humor definiert. Humor wird so zum verbindenden Element, aber auch zur Grenze zwischen In-Group und Out-Group. Für Führung und Zusammenarbeit bedeutet das: Wer Anschluss ermöglichen möchte, sollte Räume und Anlässe schaffen, in denen spontaner, authentischer Humor entstehen darf. Gleichzeitig sollte man sich auch dem Humor einer neuen Gruppe anpassen.
Humor kann auch steuern, rahmen und dominieren. Dieses Muster fassen die Autor*innen unter „exerting influence – humor as power“. In Teams kann es beispielsweise hilfreich sein, Kritik humorvoll zu äußern oder Humor als Mittel, um Hierarchien spielerisch sichtbar zu machen.
Humor ist ein guter Mechanismus für Stressregulation. Die Studie bezeichnet dieses Muster als „using the safety valve“: ein Ventil, das Spannung abbaut, Beziehungen entspannt und Komplexität reduziert. Gerade in Phasen hoher Belastung (Change, Wachstum, neue Teams) oder in emotional fordernden Berufen kann humorvolle Kommunikation Stabilität bieten.
Grundsätzlich: Die positiven Effekte zeigen sich vor allem bei wertschätzenden (affiliativ, selbstförderlich) Humorformen – nicht bei aggressiven oder selbstabwertenden Varianten.
Was Menschen im Arbeitsalltag wirklich miteinander verbindet, passiert selten in Meetings oder Prozessen. Es passiert zwischen den Zeilen: im Lachen, im Augenzwinkern, in der Fähigkeit, gemeinsam Leichtigkeit zu erzeugen. Besonders dann, wenn es schwer wird. Gleichzeitig ist Humor ambivalent: er kann verbinden oder trennen, stärken oder verletzen. Er wirkt damit tief in die Alltagskommunikation von Teams hinein und beeinflusst Integration, Zusammenarbeit, Wohlbefinden und sogar Leistung.
Wer sich vertiefend mit der Frage beschäftigen möchte, wie Humor in anspruchsvollen Situationen nicht nur verbindet, sondern auch Entwicklung ermöglicht, findet spannende Impulse in Podcastfolge 28 von Jörg Rosenberger mit Dr. Noni Höfner. Noni Höfner gilt als prägende Vertreterin des Provokativen Ansatzes, der auf der „Provokativen Therapie“ von Frank Farrelly basiert. Im Gespräch geht es darum, was den provokativen Stil ausmacht, warum er gerade in Führung und Zusammenarbeit neue Perspektiven eröffnen kann und wie selbst ernste Anliegen in Coaching‑ und Entwicklungssituationen humorvoll bearbeitet werden können, ohne Leichtigkeit und Respekt zu verlieren.
Wer Humor als entwicklungsorientiertes Werkzeug verstehen möchte, findet in dieser Folge zahlreiche Anknüpfungspunkte.